Kapitel 14

Der Name Schmied

Die Schritte gehörten Herrn Pawlak.

Herr Pawlak war der Hausmeister des AAZ, ein Mann von jener unbestimmbaren Altersklasse, die irgendwo zwischen fünfundvierzig und fünfundsechzig angesiedelt ist und die nichts an ihrem Erscheinungsbild tut, um diese Unbestimmbarkeit aufzulösen. Er trug einen blauen Kittel, der möglicherweise Bestandteil einer Dienstkleidung war oder möglicherweise eine persönliche Stilentscheidung, und er trug einen Schlüsselbund, der beim Gehen klimperte und der so viele Schlüssel enthielt, dass Thomas sich fragte, ob einige davon überhaupt zu Schlössern in diesem Gebäude gehörten oder ob Herr Pawlak sie aus rein ästhetischen Gründen mit sich führte.

»Heizung«, sagte Herr Pawlak, als er Thomas am Schreibtisch sitzen sah.

Es war kein Gruß und keine Erklärung, sondern etwas dazwischen — ein einzelnes Wort, das den Anlass seiner Anwesenheit bezeichnete und gleichzeitig jeden weiteren Gesprächsbedarf verneinte. Thomas nickte, als sei es das Selbstverständlichste der Welt, dass ein Sachbearbeiter der Besoldungsgruppe A9 an einem Dienstagnachmittag in einem Kellerraum sitzt, der nicht existiert, und der Hausmeister kommt, um die Heizung zu prüfen.

Herr Pawlak ging an Thomas vorbei, an die Rückwand des Raumes, wo tatsächlich ein Heizkörper angebracht war — ein klobiges, gusseisernes Modell, das entweder aus der Gründerzeit stammte oder aus einer Zeit, die der Gründerzeit nachzueifern versuchte. Er drehte an einem Ventil. Ein Zischen ertönte. Er nickte zufrieden und ging wieder, wobei sein Schlüsselbund den Soundtrack seines Verschwindens lieferte, ein metallisches Diminuendo, das langsam die Treppe hinaufwanderte und schließlich verstummte.

Thomas bemerkte, dass er die Luft angehalten hatte. Er bemerkte ferner, dass dies die zweite Gelegenheit an diesem Tag war, bei der er die Luft angehalten hatte, und nahm sich vor, diese Gewohnheit abzulegen. Dann stand er auf, verließ das alte Archiv und stieg die vierzehn Steinstufen hinauf, die hölzerne Treppe zu UG2, die Betontreppe zu UG1, und schließlich, über die Brandschutztür und die Parkdecktreppe, zurück ins Erdgeschoss.

Er nahm, aus einem neu entdeckten Trotz heraus, den Fahrstuhl in den dritten Stock. Der Fahrstuhl fuhr korrekt, was Thomas beinahe enttäuschte.

Sein Bürostuhl empfing ihn mit einem Quietschen, das heute erstmals nicht zufällig wirkte, sondern vorwurfsvoll, als habe der Stuhl bemerkt, dass Thomas auf einem anderen Stuhl gesessen hatte. Thomas ignorierte es. Er legte den laminierten Zettel und das Personalverzeichnis in die Schublade der Seltsamkeiten und fuhr seinen Computer hoch. Der Computer brauchte seine üblichen vier Minuten und zwölf Sekunden, die Thomas diesmal nicht zählte, weil sein Kopf mit anderen Zahlen beschäftigt war.

Zimmer 601. Abteilung 6. Schmied, H.

Er öffnete das Intranet. Das Intranet des AAZ war ein digitales Gebilde von jener Architektur, die entsteht, wenn man ein System über fünfzehn Jahre hinweg von verschiedenen Personen erweitern lässt, ohne jemals die Gesamtstruktur zu überprüfen. Es gab eine Startseite mit Nachrichten, die drei Monate alt waren, ein Mitarbeiterverzeichnis, das seit zwei Jahren nicht aktualisiert worden war, und eine Suchfunktion, die zuverlässig nichts fand, was man suchte, dafür aber regelmäßig Dinge anzeigte, nach denen niemand gefragt hatte.

Thomas gab »Schmied« in die Suchfunktion ein. Die Ergebnisseite zeigte: »0 Treffer für ›Schmied‹. Meinten Sie: ›Schmid‹?« Thomas meinte nicht Schmid. Er gab »Abteilung 6« ein. »0 Treffer. Meinten Sie: ›Abteilung 5‹?«

Thomas öffnete das Organigramm. Es war als PDF hinterlegt, ein Dokument von einundzwanzig Seiten, das die Organisationsstruktur des AAZ darstellte, von der Amtsleitung an der Spitze bis zu den einzelnen Sachgebieten an der Basis, verbunden durch Linien, die Zuständigkeiten und Weisungsbefugnisse anzeigten und dabei jenes Maß an Klarheit erreichten, das man von einem Dokument erwarten darf, das zuletzt vor vier Jahren aktualisiert wurde.

Abteilung 1: Personal und Organisation. Abteilung 2: Finanzen. Abteilung 3: Recht und Ordnung. Abteilung 4: Planung. Abteilung 5: Technik und Liegenschaften.

Dann: eine leere Zeile.

Dann: Abteilung 7: Öffentlichkeitsarbeit.

Thomas starrte auf die leere Zeile. Sie war da, unverkennbar — ein Leerraum zwischen zwei Textblöcken, der in einem sauber formatierten Dokument nicht hätte existieren dürfen. Kein Tippfehler, keine Formatierungspanne. Eine Zeile, die einmal Text enthalten hatte und jetzt keinen mehr enthielt, wie ein ausradierter Satz, dessen Geist noch in den Vertiefungen des Papiers spürbar ist.

In diesem Moment klopfte es an der Tür von Zimmer 312. Das Klopfen hatte jenen Rhythmus, den Thomas inzwischen kannte: zwei kurze Schläge, eine Pause, ein dritter Schlag. Frau Behrens-Goldbach.

»Herein«, sagte Thomas.

Frau Behrens-Goldbach trat ein. Sie trug heute einen Schal in einem Grünton, der an die Ordnerhüllen des alten Archivs erinnerte, was Thomas registrierte und sofort als Zufall einordnete, obwohl sein Vertrauen in Zufälle in den letzten Tagen merklich abgenommen hatte. In der Hand hielt sie eine Tasse — nicht ihre übliche, sondern eine, die Thomas noch nie gesehen hatte, eine graue Tasse ohne Aufdruck.

»Der Kaffee schmeckt heute besser als sonst«, sagte sie. »Seit dem Wassertank.«

Thomas sah sie an. »Seit dem Wassertank?«

»Nachdem er gereinigt wurde. Oder was auch immer Sie damit gemacht haben. Man schmeckt den Unterschied.«

Thomas öffnete den Mund, um zu erwidern, dass er den Wassertank nicht gereinigt, sondern einen laminierten Zettel daraus entfernt hatte, schloss ihn aber wieder, weil er nicht wusste, wie viel Frau Behrens-Goldbach wusste und wie viel sie vorgab zu wissen, was bei ihr häufig nicht dasselbe war.

»Frau Behrens-Goldbach«, sagte er stattdessen. »Kennen Sie einen Herrn Schmied?«

Frau Behrens-Goldbach nippte an ihrem Kaffee. Die Pause, die sie einlegte, war von jener kalkulierten Länge, die deutlich macht, dass man die Antwort bereits kennt, aber noch entscheidet, wie viel davon man preiszugeben gedenkt.

»Der Schmied«, sagte sie. »Ja, natürlich. Er hat in Abteilung 6 gearbeitet.«

»In Abteilung 6.«

»Vor meiner Zeit. Aber man hört Dinge.«

»Was für Dinge?«

Frau Behrens-Goldbach nahm einen weiteren Schluck Kaffee. Sie schien den Kaffee als Interpunktionszeichen zu verwenden — ein Schluck als Komma, ein langer Schluck als Punkt, ein Blick in die Tasse als Gedankenstrich.

»Dinge eben«, sagte sie.

Thomas wartete. Der Bürostuhl quietschte. Es war ein Quietschen, das nicht mit einer Bewegung korrelierte — Thomas saß vollkommen still —, sondern aus der Mechanik des Stuhls selbst zu kommen schien, als äußere der Stuhl eine Meinung. Thomas rutschte leicht, und der Stuhl quietschte erneut, diesmal lauter.

Frau Behrens-Goldbach betrachtete den Stuhl mit einem Ausdruck, der Mitleid hätte sein können, aber auch Anerkennung.

»Manche Stühle haben mehr Geschichte als ihre Besitzer«, sagte sie, und bevor Thomas fragen konnte, was das bedeuten sollte — eine Frage, die er inzwischen so häufig stellte, dass sie sich zu einer Art Grundmelodie seines Daseins verdichtet hatte —, war sie bereits auf dem Flur verschwunden. Die Tür schloss sich mit einem Klicken, das endgültig klang.

Thomas drehte sich zu seinem Bildschirm zurück. Er starrte auf die leere Zeile im Organigramm. Er starrte auf sein Büro, den Aktenschrank, das Fenster, den Innenhof, in dem das Alpaka nicht zu sehen war — was ihn, zu seiner eigenen Überraschung, beunruhigte.

Der Bürostuhl quietschte ein drittes Mal. Thomas schaute nach unten.

Es war nicht das übliche Quietschen. Es war ein neues Quietschen, eines, das von der Lehne kam, von jener Stelle, an der die Rückenlehne auf die Sitzfläche traf. Thomas bewegte sich versuchsweise. Das Quietschen folgte seinem Gedanken, nicht seiner Bewegung. Es quietschte, wenn er an Schmied dachte. Es quietschte nicht, wenn er an etwas anderes dachte.

Thomas schüttelte den Kopf. Er wurde albern. Bürostühle reagierten nicht auf Gedanken. Das war physikalisch unmöglich und organisatorisch nicht vorgesehen.

Er wandte sich wieder dem Organigramm zu. Zwischen Abteilung 5 und Abteilung 7 klaffte die leere Zeile wie eine offene Frage, die darauf wartete, gestellt zu werden. Thomas hatte noch nie eine leere Zeile in einem Organigramm gesehen. Er hatte allerdings auch noch nie ein Organigramm mit der Aufmerksamkeit gelesen, die man normalerweise einem Kriminalroman widmet.

Der Bürostuhl schwieg.