Kapitel 5

Die IT-Abteilung

Die IT-Abteilung des Amtes für Allgemeine Zuständigkeiten befand sich im Untergeschoss des Gebäudes, und es wäre verfehlt, diesen Umstand als bloßen architektonischen Zufall abzutun. Die IT-Abteilung befand sich im Untergeschoss, weil das Untergeschoss jener Ort war, an den Dinge verbannt wurden, die zwar unverzichtbar waren, deren Anwesenheit aber in den oberen Stockwerken als störend empfunden wurde — ähnlich wie die Heizungsanlage, der Serverraum und eine Sammlung von Aktenordnern aus den neunziger Jahren, die niemand wegwerfen wollte, weil sie möglicherweise für eine Steuerprüfung relevant werden könnten, die nie stattfand.

Thomas Müller-Hinterberg stand am oberen Ende der Treppe, die in das Untergeschoss führte, und betrachtete die Stufen. Es waren zweiundvierzig Stufen, was Thomas nicht gezählt hatte, die er aber zählen würde, weil das Zählen von Stufen zu jenen Beschäftigungen gehörte, mit denen Thomas seinen Geist beruhigte, wenn die Welt um ihn herum unverständlich wurde, was in letzter Zeit häufiger vorkam als üblich.

Die Treppe war schmal und von einer Neonröhre beleuchtet, die in unregelmäßigen Abständen flackerte, als leide sie an einem nervösen Tick. Die Wände waren in jenem speziellen Grünton gestrichen, den Behörden in den achtziger Jahren als »beruhigend« empfunden hatten und der tatsächlich eine beruhigende Wirkung hatte, allerdings nur deshalb, weil er so deprimierend war, dass keine weitere Emotion neben ihm Platz fand.

Thomas stieg hinab. Bei Stufe einundzwanzig passierte er ein kleines Fenster auf Bodenhöhe des Erdgeschosses — ein Kellerfenster, das einen Blick in den Innenhof gewährte. Thomas schaute hindurch. Dort, auf Augenhöhe, ungefähr drei Meter entfernt, stand das Alpaka.

Es war das erste Mal, dass Thomas das Tier aus dieser Perspektive sah. Von oben, aus dem dritten Stock, war das Alpaka ein kleiner, wolkiger Fleck gewesen, der sich gelegentlich bewegte. Von hier unten war es ein Tier von beträchtlicher Präsenz, mit einem Gesicht, das jenen Ausdruck stoischer Gelassenheit trug, den Menschen anstreben, wenn sie meditieren, und den Alpakas ohne jede Anstrengung erreichen.

Das Alpaka kaute. Es kaute mit jener gleichmäßigen, meditativen Langsamkeit, die suggerierte, dass das Kauen nicht Mittel zum Zweck war, sondern der Zweck selbst. Thomas und das Alpaka sahen einander an. Es war ein Moment von unerwarteter Intimität, wie er zwischen einem Sachbearbeiter und einem Kameliden selten vorkommt. Dann wandte das Alpaka den Blick ab, mit einer Beiläufigkeit, die Thomas als mild herablassend empfand, und Thomas setzte seinen Weg fort.

Am Fuß der Treppe befand sich eine Tür mit der Aufschrift »IT — Kein Zutritt für Unbefugte«, wobei jemand mit einem Filzstift das Wort »Kein« durchgestrichen und darunter »Eingeschränkter« geschrieben hatte, was die Botschaft der Aufschrift nicht klarer machte, sondern lediglich um eine weitere Bedeutungsebene bereicherte.

Thomas klopfte an. Eine Stimme rief: »Ist offen.«

Thomas öffnete die Tür und betrat einen Raum, der aussah, als hätte jemand ein Elektronikfachgeschäft, eine Lagerhalle und das Schlafzimmer eines Studenten in einem einzigen Raum zusammengefasst. Kabel schlängelten sich über den Boden wie ein Wurzelwerk. Monitore standen auf Schreibtischen, auf Monitoren, auf Kartons. Ein Ventilator drehte sich träge an der Decke und verteilte warme Luft mit der Effektivität eines Löffels, der versucht, das Meer umzurühren.

Hinter einem Schreibtisch, der unter Bildschirmen, leeren Kaffeetassen und einer erstaunlichen Menge Kabelbinder begraben war, saß ein Mann, den Thomas als Herrn Krauss identifizierte, obwohl er ihn nur einmal zuvor gesehen hatte, bei einer Weihnachtsfeier vor drei Jahren, bei der Herr Krauss den gesamten Abend über die Vor- und Nachteile verschiedener Linux-Distributionen referiert hatte, bis die letzten Gäste gegangen waren, was bereits um neunzehn Uhr dreißig der Fall gewesen war.

»Herr Krauss«, sagte Thomas. »Ich komme wegen eines technischen Problems.«

Herr Krauss schaute von seinem Bildschirm auf. Er trug ein T-Shirt mit einer Aufschrift, die Thomas nicht vollständig lesen konnte, weil ein Kaffeefleck das mittlere Drittel verdeckte. Die lesbaren Teile lauteten: »Es liegt nicht an der —« und »— es sind die Nutzer«.

»Haben Sie ein Ticket aufgemacht?«, fragte Herr Krauss.

»Ich habe Formular 7a eingereicht«, sagte Thomas.

»7a ist für Standardfälle.«

»Ja, ich weiß. Mir wurde gesagt, ich solle 7b verwenden, aber 7b ist —«

»Nicht verfügbar. Ich weiß.« Herr Krauss nickte, als wäre dies eine Information von ähnlicher Trivialität wie die Feststellung, dass Wasser nass ist. »Was ist das Problem?«

Thomas erklärte die Situation. Die E-Mail. Der fehlende Absender. Der Anhang. Das Format .7b. Herr Krauss hörte zu, wobei er gelegentlich an seinem Kaffee nippte, einem Getränk von jener Konsistenz und Farbe, die nahelegte, dass es weniger getrunken als überlebt wurde.

»Zeigen Sie mal«, sagte Herr Krauss.

Thomas hatte die E-Mail auf einem USB-Stick mitgebracht, was ihn einen Moment des Stolzes empfinden ließ, der allerdings schnell verflog, als Herr Krauss den USB-Stick mit einer Miene betrachtete, die an einen Sommelier erinnerte, dem man eine Flasche Traubensaft gereicht hat.

Herr Krauss steckte den Stick ein. Klickte. Doppelklickte. Rechtsklickte. Öffnete ein Programm, dessen Oberfläche ausschließlich aus weißem Text auf schwarzem Hintergrund bestand und das Thomas leise einschüchterte. Zahlen und Buchstaben scrollten über den Bildschirm.

»Hm«, sagte Herr Krauss.

Es war ein »Hm« von jener Qualität, die Ärzte verwenden, wenn sie ein Röntgenbild betrachten und noch nicht entschieden haben, ob sie besorgt oder lediglich interessiert sind. Thomas wartete.

»Das Format .7b ist nicht in unserer Systemliste«, sagte Herr Krauss.

»Was bedeutet das?«

»Es bedeutet, dass das Format nicht in unserer Systemliste ist.«

Thomas wartete auf eine Erweiterung dieser Aussage. Sie kam nicht.

»Können Sie die Datei trotzdem öffnen?«, fragte Thomas.

Herr Krauss versuchte es. Er versuchte es mit verschiedenen Programmen, deren Namen Thomas nichts sagten — Notepad++, Hex Fiend, etwas, das wie eine Kommandozeile aussah. Die Datei weigerte sich, sich öffnen zu lassen. Sie weigerte sich nicht aggressiv, nicht mit Fehlermeldungen oder Warnhinweisen, sondern mit jener passiven Unnachgiebigkeit, die Thomas an die Tür von Raum 001 erinnerte.

»Nicht unterstütztes Format«, sagte Herr Krauss schließlich.

»Gibt es irgendetwas, das Sie tun können?«

Herr Krauss lehnte sich zurück. Sein Stuhl knarrte. Im Hintergrund summte der Server, ein gleichmäßiges, beruhigendes Geräusch, wie das Atmen eines schlafenden Tieres. »Ich kann Ihnen sagen, dass die Datei existiert. Sie hat eine Größe von exakt sieben Kilobyte. Das ist nicht groß genug für ein Bild und nicht klein genug für eine leere Datei. Der Header ist nicht lesbar. Das Format .7b ist in keiner mir bekannten Datenbank verzeichnet.«

»Ist es möglich«, sagte Thomas langsam, »dass das Format .7b etwas mit Formular 7b zu tun hat?«

Herr Krauss sah ihn an. Es war ein Blick, der sagte: Diese Frage ist entweder brillant oder vollkommen absurd, und ich werde nicht derjenige sein, der entscheidet, welches von beidem.

»Möglich ist vieles«, sagte Herr Krauss diplomatisch.

Thomas nahm seinen USB-Stick zurück. Er bedankte sich bei Herrn Krauss. Er wandte sich zur Tür. Er war bereits im Türrahmen, als Herr Krauss ihm nachrief.

»Herr Müller-Hinterberg?«

Thomas drehte sich um.

Herr Krauss hatte sich wieder seinem Bildschirm zugewandt, und seine Stimme hatte jenen beiläufigen Ton, den Menschen annehmen, wenn sie etwas sagen, das ihnen gleichgültig ist, was es aber nicht ist.

»Haben Sie es schon mit Doppelklick versucht?«

Thomas öffnete den Mund. Schloss ihn wieder. Öffnete ihn erneut. Dann nickte er, sagte »Ja, habe ich«, und stieg die zweiundvierzig Stufen wieder hinauf, wobei er jede einzelne zählte, und bei Stufe einundzwanzig durch das Kellerfenster schaute, wo das Alpaka stand und kaute, und Thomas hätte schwören können, dass es nickte, kaum merklich, als wolle es sagen: Ich verstehe. Ich verstehe vollkommen. Aber erklären kann ich es dir auch nicht.